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Fettsucht

Oder: Ich bin gar nicht dick, ich nehme nur andere Drogen

 

Es ist wieder da, mein Thema! Ich kenne es gut. Im Dezember, Januar ist es DAS Thema in Frauenzeitschriften, im Fernsehen. Zuerst im Dezember geht es um die Schlemmereien und im Januar darum, die Sichtbarkeit, die Folgen des Schlemmens wieder zu beseitigen. Weihnachten: das Fest der Liebe und das Fest an dem man „sündigen“ darf…ja sündigen! Dieses Wort sagt alles über die gefühlte Verwerflichkeit sich durch Nahrung, fett-und zuckerlastig, ein gutes Gefühl zu bescheren.

Nun, bei mir ist das Thema gestern in Form von Wiener Würstchen zurückgekehrt. Böse, böse, böse, fettig, tote Tiere. Und dennoch sind sie meine Droge, mein Trost. Natürlich esse ich sie oft heimlich, Alkoholiker trinken meist heimlich, warum wohl?

Kein Alkohol in Litern getrunken, keine Stange Zigaretten am Stück, keine zehn Schnitzel sind noch wirklicher Genuss und lässt sich auch schwer als solcher verkaufen. Und natürlich sind auch meine Wiener Würstchen kein Hochgenuss, der jetzt Tim Mälzer in Verzücken versetzen würde.

Und dennoch sind sie mein Trost, mein Programm mir ein Wohlgefühl zu schenken, wenn es mal nicht so rund läuft.

Bei Schokolade ist das ja noch halbwegs anerkannt, als Stresslöser, Seelenfutter und als Mittel gegen Liebeskummer und nicht zu vergessen die wertvollen Kakaoöle! Auch der Rotwein bekommt die Absolution, da er ja neben dem Zellgift Alkohol auch noch so viele wertvolle Inhaltstoffe besitzt.

Aber Fleisch, Wurst, Butter….böse!

Doch warum ist Trost gerade von Nöten?

Im Moment fühle ich mich wie eingeschnürt – eingeschnürt in Kälte, Staub, Hundegebell und letztendlich auch die Ohnmacht, das alles gerade nicht ändern zu können. Mein Traum vom Überwintern auf einer warmen Mittelmeerinsel sah anders aus.

Ich kenne das ja! Habe ich es doch schon zweimal so erlebt. Doch leider scheint es bei mir so zu sein, dass ich denselben „Fehler“,  dieselbe Situation mehrmals durchleben will, bis ich es wirklich fühle, dass etwas nicht die Erfüllung meiner Träume ist.

Doch ist es überhaupt ein Fehler? Lernt man nicht alles auf diese Weise? Gehen, Fahrradfahren, Rollschuhlaufen, all das lernt man doch durch Hinfallen, wieder aufstehen, wieder probieren, vielleicht hat man beim nächsten Mal einen Trick gelernt um sich fünf Minuten länger oben zu halten, weiter zu kommen. Ich lerne gerade wie und wo ich leben möchte.

Manchmal bewundere ich sogar Menschen, die nachdem sie etwas einmal versucht haben, nach dem ersten Scheitern sagen können: das war es jetzt; nie wieder!!! Sie vermeiden einfach den Schmerz des wieder Hinfallens.

Aber beim Gehen oder Fahrradfahren sagt man das ja auch nicht. Man will doch unbedingt aus eigener Kraft von A nach B kommen und sich dabei den Wind um die Nase wehen lassen. Man will es so absolut, dass man es so lange übt, fällt und wieder aufsteht, bis man es kann.

Und wenn man dann fällt, ist als Kind (hoffentlich) jemand da, der einen in den Arm nimmt und tröstet, bestenfalls ohne große Schimpftiraden. Als Erwachsener suchen wir das oft in Liebesbeziehungen jemanden „der mich auffängt, wenn ich falle“.

Womit wir wieder beim Thema Trost wären. Was hilft mir mich zu trösten? Ein Wohlgefühl! Und welches Programm wir mitbekommen haben um uns dieses Wohlgefühl zu bescheren, das ist bei jedem so unterschiedlich wie es Menschen gibt.

Bei mir ist es wohl offensichtlich so gewesen, dass ich einfach zu oft ein Wiener Würstchen über die Wursttheke gereicht bekam, mit einem warmherzigen Lächeln der Verkäuferin das in meine Sprache übersetzt hieß: schön dass du hier bist! Und das Wurstbrot, das es immer am Samstagabend gab, an dem die Welt völlig in Ordnung war, alle vom Stress der Woche entspannten und es meist noch einen Fernsehabend mit „Wetten dass“ oder Kulenkampff zur Krönung gab.

Möchte man sich dann später dieses Wohlgefühl als Erwachsener wieder-holen, kann es zur Sucht werden, zuviel werden und dann hat man die Fettsucht am Leib. Heute als Adipositas und Krankheit verklausuliert. Klingt doch Fettsucht brutal nach sich nicht beherrschen können, selbst schuld sein, nach Ekel, Fettflecken auf der Hose und triefenden Schweinshaxen. Dabei ist es was es ist…eine Sucht, ein Programm Schmerz zu beheben, ihn nicht zu Fühlen – im Gegenteil: sich ein Wohlgefühl zu erschaffen.     

Es liegt auf meinem Weg: das Programm zu erkennen, was irgendwann gestartet wurde, das Unwohlsein öfter mal aushalten, es nicht durch Essen oder sonstige Süchte beheben zu wollen. Und nachsichtig sein, wenn das Programm dann doch wieder einmal automatisch abgelaufen ist. Keinen „inneren Schweinehund“ kreieren der bekämpft werden muss. Denn das hieße ja, einen Teil meines Selbst abzulehnen und zu bekämpfen, nämlich den Teil, der eigentlich ein liebevolles  In – den – Arm- Nehmen braucht.    

Frohe Weihnachten!!! Das Fest der (Selbst-)Liebe

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